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20 -May -2012 - 16:27

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Reiseberichte

Namibia

Florian von Stern: Reisebericht  aus Namibia anlässlich des Welt-AIDS-Tages.

Dieser Reisebericht erzählt von meinem  Besuch eines sozialen Projektes der Petra-Lustenberger-Stiftung in Swakopmund, Namibia. Dieses Land rückt alljährlich mit dem Welt-Aids-Tag in das öffentliche Bewusstsein, weil es sich hierbei laut UNICEF um eines der fünf am schlimmsten von AIDS betroffenen Länder der Welt handelt, mit Regionen, in denen nahezu ein Drittel der untersuchten Frauen HIV-positiv sind, das sind vor allem die jungen zwischen 20 und 24 Jahren; 17,8% der schwangeren Frauen in Namibia sind HIV-positiv, ein Land mit 85 000 AIDS-Waisen, eine Zahl, die in den nächsten Jahren noch steigen wird, wenn auch die Ansteckungsrate bei Erwachsenen leicht rückläufig zu sein scheint.

Mein Name ist Florian v. Stern, ich bin 27 Jahre alt, mein Heimatort ist Hochheim am Main, derselbe Ort der dort ansässigen Petra-Lustenberger-Stiftung.. Vor kurzem habe ich mein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement abgeschlossen. Meine Abschlussarbeit beschäftigte sich mit verschiedenen Finanzierungsformen von sozialen Projekten.

Eines der dabei betrachteten Projekte war jenes der Petra-Lustenberger-Stiftung in Swakopmund. Es handelt sich dabei um eine Suppenküche für ca. 100 Kinder mit angeschlossenem Kindergarten sowie Freigelände mit kleinem Gemüsegarten und Hühnergehege,  einem Spielplatz, einen Arbeitsraum, in dem Frauen des Townships Perlschmuck nach traditionellem Verfahren herstellen. Auf dem Gelände, das die Lustenberger Stiftung seit 2010 gepachtet hat, finden auch zweimal wöchentlich Beratungen und Aufklärung zum Thema HIV statt. Ein Zukunftsprojekt ist es, dort neben Aufklärung und Beratung auch ärztliche Untersuchungen durchführen zu können. Zu meiner großen Freude konnte ich gegen Ende meiner Abschlussarbeit das Projekt im September 2011 vor Ort als Botschafter der Stiftung besuchen und mir so einen Eindruck verschaffen, wie soziales Engagement dort umgesetzt wird.

In Swakopmund treffe ich die deutschstämmige Anja Rohwer und ihre 19jährige Tochter Menzona, die beide, wie schon ihre Mutter Jutta Rohwer, neben anderen Projekten, auch das Stiftungsprojekt in Swakopmund mit ehrenamtlichem Engagement betreuen. Wir fahren gemeinsam in das Armenviertel D.R.C. Swakopmund (Democratic Resettlement Community Swakopmund), um das dort angesiedelte Projekt zu besichtigen .Insgesamt leben etwa 4.000 Menschen in D.R.C. Die Hütten sind nur aus Blechteilen und Holzbrettern notdürftig zusammengefügt. Es gibt weder Strom, noch Heizung, noch fließendes Wasser. Es ist ein sehr bedrückender erster Eindruck.

Schließlich erreichen wir das von der Petra-Lustenberger-Stiftung gepachtete Grundstück. Ich sehe den großen Container mit dem Logo der Petra-Lustenberger-Stiftung, in dem die Suppenküche untergebracht ist. Mit der Küche werden 2mal wöchentlich jeweils etwa 100 Kinder mit einer warmen Mahlzeit versorgt, für die restlichen Tage sollen die meist alleinstehenden Mütter selbst die Verantwortung übernehmen. Erschwerend ist, dass sich der Ankauf der Grundnahrungsmittel dramatisch verteuert hat, so stieg zum Beispiel von Mitte 2010 bis Mitte 2011 der Preis für Mais weltweit um 75% an.

Menzona stellt mich den Frauen und Kindern vor. Währendessen erläutert sie mir, dass viele Frauen mit dem HIV-Virus infiziert sind. Viele der Kinder auf dem Anwesen sind Aidswaisen und werden von nichtverwandten Frauen mitversorgt. Die Hauptursache für die Ausbreitung der Krankheit, so Menzona, sei weiterhin die mangelnde Aufklärung, das Projekt leistet deshalb auch Aufklärungsarbeit. Anja erzählt mir, für viele der namibischen Männer ist Aids und die Übertragung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr ein Tabuthema. So denken sie, dass sich Männer aufgrund ihres Geschlechts nicht mit dem Virus infizieren können und sorgen sich damit weder um ihre eigene noch um die Sicherheit ihrer Sexualpartnerin. Ungeschützter Geschlechtsverkehr, der geringe Status der Frauen, die bei der Wahl ihrer Sexualpartner meist nicht frei entscheiden können, und  die Auflösung der traditionellen familiären Bindungen gelten als Hauptursachen.

Neben der Suppenküche steht der  große Container, in dem der Arbeitsraum für die Herstellung des Perlen- und Muschelschmucks untergebracht ist. Dieser wird  mit anderen traditionellen Hand- und Handwerksarbeiten aus den Hilfsprojekten in Windhoek in einem Geschäft in Swakopmund verkauft, ein weiteres Geschäft existiert in Windhoek, in beiden werden Einkünfte erzielt, um damit das Projekt insgesamt langfristig möglichst unabhängig von Spenden zu machen. Die Frauen erhalten zudem ein kleines Einkommen und lernen, wie sie Geld erwirtschaften können und damit umgehen müssen. Da jetzt Frühling in Namibia ist, wird gerade der Gemüsegarten neu angelegt. Dann kann die Suppenküche auf den eigenen Anbau zurückgreifen und dadurch unabhängiger von Spenden und den damit gekauften Zutaten werden, Überschüsse können in Zukunft verkauft werden.

Die Kinder werden in dem neuen Kindergarten auf die Schule vorbereitet. Die Stiftung bezahlt deren Schulgebühren im ersten Jahr sowie die Schuluniformen. Zusätzlich wird eine Erzieherin angestellt und bezahlt, die sich um die Kinder kümmert. Anja legt dabei großen Wert darauf, eine Person mit erzieherischen Fähigkeiten einzusetzen. Nur so werden die Kinder in professioneller Weise betreut und dementsprechend auf die bevorstehende Schule und den Aufnahmetest vorbereitet, ohne den ein Schulbesuch nicht möglich ist.

Als wir das Grundstück nach einiger Zeit wieder verlassen, sitze ich mit gemischten Gefühlen  im Auto. Einerseits fühle ich immer noch die bedrückende Atmosphäre in dem aus Blechhütten bestehenden Armenviertel D.R.C. Andererseits zeigten mir die Kinder eine Lebensfreude, die mir sehr imponiert. Die Menschen D.R.C., insbesondere die Kinder und ihre Mütter, brauchen eine Anschubhilfe, die ihnen den Weg aus  Armut und Krankheit zeigt. Das Projekt versucht mit der Suppenküche zunächst eine Grundlage für gesunde Ernährung zu gewährleisten, der Kindergarten schafft die Voraussetzung für einen erfolgreichen Bildungsstart, die Frauen erhalten  Aufklärung über HIV und das Projekt schafft Möglichkeiten für ein bescheidenes Einkommen der Mütter.

Die Petra-Lustenberger-Stiftung leistet meines Erachtens eine vorbildliche Hilfe mit ihren ehrenamtlichen Helfern hier und vor Ort. Dabei ist sie immer wieder auf die Unterstützung ihrer Spender angewiesen. Das Spendengeld wird hier im Township von Swakopmund nachweislich nachhaltig in die Zukunft dieser Kinder investiert. Davon konnte ich mich überzeugen. Als wohl jüngster Botschafter der Stiftung werde ich mich auch in Zukunft von der Arbeit der Petra-Lustenberger-Stiftung vor Ort überzeugen.

 

florian_von_sternFlorian von Stern.

Er ist Student der BWL und Wirtschaftspsychologie in Lüneburg.

Während seines Studiums setzte sich Florian intensiv mit der Vereinbarkeit der Nachhaltigkeitsdimensionen (Ökonomie, Ökologie und Soziales) und der betriebswirtschaftlichen Denkweise auseinander. Der Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement sowie die Teilnahme an einer Simulation der Vereinten Nationen in New York weckten in ihm ein großes Interesse, sich auch in einer praktischen Tätigkeit mit sozialen und entwicklungspolitischen Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Seine Abschlußarbeit schreibt er deshalb auch über den Vergleich zweier sozial nachhaltiger Projekte im Nonprofit-Bereich.

Ihm imponiert die Zielstrebigkeit mit der Frau Lustenberger die Stiftung führt, und sich dabei neben des Engagements in Namibia auch um Kinder- und Jugendliche in Hochheim kümmert. Florian findet dabei die Art und Weise, wie die Stiftung versucht Hilfe zu leisten, sehr wichtig: der Schlüssel zum Erfolg liegt in der "Hilfe zur Selbsthilfe".

"Außerdem erweckte die Möglichkeit, eines der Projekte der Stiftung in meiner Abschlussarbeit analysieren zu können, mein gesteigertes Interesse an einer Mitarbeit in der Stiftung."